Angesichts der jüngsten Entwicklung unseres Turniers darf man sich sicherlich fragen: „Ist das noch normal?“ oder wie sagte es Turnierurgestein Theo Hengstermann so treffend: „Wer will denn da noch auf die Kirmes?“ Im Angesicht der rappelvollen Tribüne werden es wohl nicht viele gewesen sein, die dieses Vergnügen dem Fußball vorgezogen haben. Pünktlich um 9:15 Uhr ging es mit den beiden Halbfinalspielen bei den Mädchen los. Die 4S 11 A konnte sich knapp gegen die eigentlich favorisierten Friseurinnen um Reyhan Öztürk durchsetzen. Letztere bissen sich an den schwarz gekleideten Sozialhelferinnen immer wieder die Zähne aus. Bahar Akyüz und Katharina Wittstamm kombinierten gut, die Folge war, dass das erste Halbfinale mit 1:0 gewonnen wurde. Im zweiten Halbfinale traf eine Auswahl des BGJs Wirtschaft und Verwaltung auf stark eingeschätzte Rechtsanwaltsgehilfinnen. Auch dieses Spiel verlief sehr ausgeglichen, bis Lisa Schumacher ihre in Traditionstrikots des SC Preußen Münster angetretenen Mädels erlöste. Das 1:0 blieb die nächsten Minuten bis zum Schlussgong bestehen.
Es folgten direkt die 12 Endrundenspiele bei den Jungen bzw. Herren, denn natürlich waren auch die Lehrer wieder dabei. Deren Auftritte in den letzten 2 Jahren waren eher „flopp“, davor spielte man 2 Jahre eher „top“ – eine eindeutige Antwort sollte später auf dem Platz erfolgen. In der ersten Gruppe trafen zunächst die hoch eingeschätzen Großhändler auf die 2K 11 B um Supertechniker Sven Konarski. Die GH gewann knapp und untermauerte damit den Anspruch auf den Titel. Das 2. Gruppenspiel brachte dann gleich eine faustdicke Überraschung. Die andere Supertruppe um Konstruktionsmechaniker Justin Straßek und Egzon Shala musste sich der Unterstufe der Automatisierungstechniker geschlagen geben. Sollte das bereits das „Aus“ gewesen sein? Nachdem die „Weißen“ sich gegen die etwas abbauende 2K durchsetzen konnte, kam es zum echten Endspiel um den Gruppensieg zwischen den harten Jungs der Metallbauer und Konstruktionsmechaniker gegen die Groß- und Außenhändler. Dieses hochklassige Spiel gewannen die Metaller knapp, was gleichbedeutend mit dem Einzug ins Finale war, für die GH blieb als Trost nur das kleine Finale.
In der parallelen Gruppe ging es noch enger und nervenaufreibender zu. Der Titelverteidiger, „Mattes“ Sieberts Helden aus der 2W besiegten zunächst knapp die Unterstufe der Kaufmännischen Assistenten, die in Ex-MSV-Kicker Kagan Cömez ihren auffälligsten Akteur hatte. Dann kam der 1. Paukenschlag. Die Lehrer traten in neuen Trikots an, Traditionstrikots der peruanischen Nationalmannschaft. Ob diese modische Extravagantheit für den Erfolg verantwortlich gemacht werden kann, bleibt fraglich. Nach schöner Vorarbeit von Thomas End vollstreckte Stefan Hartmann unter tosendem Beifall zum einzigen Tor des Spiels. Im Kasten der Lehrer stand erstmals Rolf Briele, Motivationskünstler, bisweilen „Kampfschwein“ und in der Jugend ausgebildeter Torwart bei der Spvgg. Beckum. Der Kasten der Lehrer blieb in der gesamten Endrunde beinahe sensationell sauber. Im nächsten Jahr kann getrost darauf gewettet werden, ob die Lehrer ein Tor kassieren und nicht mehr, wie in den Vorjahren, ob sie überhaupt ein Tor schießen. Auch im 2. Spiel trafen die Lehrer auf einen scheinbar übermächtigen Gegner: den Titelverteidiger. Beide Teams waren geschwächt, so laborierte VfB-Spieler Deniz Sirin an einer Knöchelverletzung, die ihn doch etwas behinderte. Dessen Klassenlehrer Mattes Siebert hatte es noch ärger erwischt, der Abwehrrecke der Lehrer konnte an diesem Tag gar nicht vor den Ball treten. Vielleicht war es aber genau das, was die Lehrer so sehr beflügelte. In einer taktisch fehlerlosen Einstellung agierten die „Peruaner“ aus einer sicheren Abwehr heraus und ließen hinten nichts anbrennen. Die 2W ließ weder ein Tor zu, noch konnte sie Torwartheld Rolf Briele entscheidend überwinden. Die beiden anderen Teams in der 2. Gruppe konnten nicht ganz an die guten Leistungen der Vorrunde anknüpfen. Die Verfahrensmechaniker und die 2K-Unterstufe landeten folglich auf den Gruppenplätzen 3 und 4. Die Lehrer begannen ihr letztes Spiel mit einer netten Geste für Ehrengast Olaf Thon. Präsentiert wurden nagelneue Trikots in einheitlicher Ausführung, alle Trikots trugen die 10 und die Aufschrift „Thon“. Sichtlich erfreut vernahm es der Olaf und spendete aufmunternden Applaus. Die Sensation lag schier in der Luft: Die Lehrer mussten ihr abschließendes Spiel mit 2:0 gewinnen, um vor der hoch gehandelten 2W ins Finale einzuziehen – Ergebnis: 2:0 – Maßarbeit, für die enttäuschten Jungs um Kevin Wagener und Amanuel Haile blieb folglich nur das kleine Finale. Durchatmen: Eine kleine Spielpause vor den abschließenden Finalspielen wurde für die Einspielung eines kleinen Videos genutzt, welches die fußballerischen Leistungen unseres Ehrengastes Olaf Thon auch dem jüngeren Publikum verständlich und präsent machen sollte. Olaf Thon nutze die Gelegenheit, um die eingespielten Szenen selbst zu kommentieren.
Was anschließend folgte, waren 2 Krimis mit Sieben-Meter-Schießen. Zunächst egalisierten sich Friseurinnen und Rechtsanwaltsfachangestellte. Im abschließenden „Shoot-out“ machten es die Damen besonders spannend. Die Friseurinnen hatten am Ende das bessere Ende für sich und gewannen Bronze nach einer wahren Flut von verschossenen Siebenmetern. Bei den Herren verlief die Sache im nächsten Spiel eindeutiger. Die 2W setzte sich mit 2:1 durch, die Freude über diesen Sieg hielt sich verständlicherweise etwas in Grenzen. Die 2W kassierte keine Niederlage, Torhüter Ogün Turan musste nur einmal hinter sich greifen – so grausam kann Fußball sein, das hatten ja in der Vorrunde auch schon die „Stadtmeister-Helden“ Kutlu und Molitor schmerzhaft erfahren müssen. Bei den Großhändlern ließen am Ende vielleicht auch etwas die Kräfte nach. Anthony Hengstermann: „Mit einem gesunden Samet Güldü hätten wir hier gewonnen!“ Diese Behauptung kann im nächsten Jahr durch Taten bestätigt werden. Das Endspiel bei den Mädchen begann gleich mit einem Paukenschlag: Bahar Akyüz fälschte einen Schussversuch der Weißen so unglücklich ab, dass die überraschte Torhüterin schon nach wenigen Minuten hinter sich greifen musste. Spielerisch lief bei beiden Teams nicht mehr viel, einzig Katharina Wittstamm wollte sich nicht durch ein Eigentor geschlagen geben. Sie sorgte mit einer feinen Einzelaktion für den Ausgleich, so dass das Finale im Siebenmeterschießen entschieden werden musste. Diskutiert wurde zunächst die Frage, ob die Torhüterin ausgetauscht werden durfte. Die 4S entschied sich genau für diesen Schachzug, der von der Turnierleitung schließlich zugelassen wurde. Pech hatten dann die Mädels der 5W, als ein verwandelter Strafstoß nicht anerkannt wurde, da der Schiedsrichter zuvor nicht angepfiffen hatte. Von diesem Schock erholte sich die Truppe um Lisa Schumacher nicht mehr, Nerven wurden gezeigt und das Siebenmeterschießen fiel zu Gunsten der 4S 11 A von Frau Wendt aus, die ihre Mädels danach überglücklich in die Arme nahm. Bei den Männern verlief das Finale ähnlich dramatisch. Olaf Thon hatte sich zuvor extra von seinem Ehrenplatz erhoben und war zu den Lehrern nach unten geklettert. „Ihr habt gegen die Weißen keine Chance. Ich empfehle euch Catenaccio vom Feinsten!“ Wer sich in der Fußballersprache nicht auskennt: „Hinten Beton anrühren, vorne hilft der liebe End…äh Gott!“ Diese genial einfache wie zweckmäßige Taktik wurde von den Lehrern konsequent umgesetzt. Das Finale endete folglich 0:0, was beweist, dass eine taktisch klar ausgeführte Spielweise auch gegen scheinbar übermächtige Gegner Erfolg bringen kann. Natürlich hatte Rolf Briele im Tor einige Schreckensmomente zu überstehen, besonders dann, wenn der brandgefährliche Egzon Shala vor seinem Kasten auftauchte. Am Ende trennte man sich torlos und wie bei den Mädchen musste das Siebenmeterschießen die Entscheidung bringen.
Hier zeigte sich dann, dass auch Torwartveteran Briele die Biologie nicht außer Kraft setzten konnte. Die Schüsse von Straßek, Shala und Co. waren nicht zu halten. Moritz Michalowsy verfehlte im finalen Schuss das Tor und so konnten am Ende die Weißen der KM/MB doch noch triumphieren. Ein sichtbar erleichterter Justin Straßek:“ Die Lehrer waren die stärkste Truppe, gegen die wir gespielt haben!“ So etwas nennt man wohl „Ritterschlag“. Die Jungs von Herrn Koch freuten sich am Ende über Gold, die Lehrer über Silber und die Supertruppe um Sirin, Wagener und Co. am Ende auch ein wenig über Bronze. Die Großhändler wurden am Ende noch mit dem Fairness-Pokal ausgezeichnet. Und dann wurde auch dem letzten Zuschauer klar, dass das Turnier 2012 beendet war. Die abschließende Siegerehrung wurde erneut von Olaf Thon, OB Tischler und Schulleiter Guido Tewes durchgeführt. Spontan sagte Olaf Thon zu, unserem Turnier auch zukünftig treu zu bleiben. Und ab dieser Woche, in der sich die Schülerinnen und Schüler Bottrops an unserer Schule anmelden können, wird es wieder heißen: „Wann ist eigentlich das Fußballturnier?“